ProReli setzt sich für die Freiheit der Wahl zwischen den Fächern Ethik und Religion anstastlichen Schulen ein. In einem Beitrag vom 2.1.2009 im TAGESSPIEGEL zur Diskussion um ProReli schreibt Stephan Frielinghaus: "Wahlfreiheit - was wie eine Verheißung klingt, ist in Wirklichkeit ein Euphemismus für Entscheidungszwang." Dazu ist folgendes zu sagen:
1. Freiheit bringt immer die Notwendigkeit zur Entscheidung mit sich. Freiheit besteht in vielen Fällen geradezu in der Unmöglichkeit, sich nicht zu entscheiden, denn sich nicht zu entscheiden ist auch eine Entscheidung. Man kann das "Zwang" nennen. Aber was bedeutet dann noch "Freiheit"?
2. Schule ist ein Zwangssystem, da die Schülerinnen und Schüler nicht auf Grund ihrer freien Entscheidung in die Schule gehen, sondern auf Grund der Schulpflicht. Gerade weil das so ist, kann man mit Schülern viele Dinge nicht machen, die man mit ihnen in freiwilligen Zusammenschlüssen (Verbänden, Parteien, Vereinen, Kirchen) tun kann, aus denen sie jederzeit auch wieder austreten können. Also unterscheidet man im System Schule sinnvollerweise zwischen Pflichtfächern für alle und einem Wahlpflichtbereich - in dem alle Schüler zwischen verschiedenen Angeboten wählen können. Dies ist die beste Möglichkeit, innerhalb eines Zwangssystems Freiheiten zu ermöglichen. Sie ermöglicht dann im übrigen auch fächerüberfreifenden Kooperation von freien Subjekten in der Schule.
3. Berlin ist das einzige Land in Deutschland, dass alle Schüler zwingen will, eine bestimmte Form der Befassung mit Religion zu wählen, nämlich die, wie sie im Pflichtfach Ethik vorgesehen ist. Die angebliche oder auch tatsächliche weltanschauliche Neutralität dieses Faches mindert nicht im geringsten seinen Zwangscharakter - und ist im übrigen selbst auch schon eine weltanschauliche Entscheidung.
P. Klaus Mertes SJ