Dies alles auf zwei Seiten. Nun rate mal, welche Religion am Dümmsten verkauft wird? Jawohl, richtig geraten.
Auch auf den folgenden Seiten wird mit wenigen Ausnahmen (über die allerdings in Einzelheiten auch ein Korrekturstift gehen müsste) ein Sammelsurium präsentiert. Auf Seite 39 wird bei "kirchlichen Verzweigungen" unterschieden zwischen "Römische Kirche", "Katholische Kirche" und "Römisch-katholische Kirche". Bei soviel Zweigen sieht man natürlich nur noch Urwald.
Die Fragezeichen reichen gar nicht, die man hinter andere Angaben auf S. 40 bis 43 machen müsste. Höhepunkt ist eine Hasspredigt auf S. 44f., die angeblich Bischof Kyrill von Alexandrien im 4. Jahrhundert gehalten haben soll; ein Autor dafür wird jedoch nicht angegeben. Einige Zitate: "Umgeben von der braunen Garde schlagstockbewaffneter Kuttenträger ...", "Diese Mordnacht wird unvergessen bleiben (...) Judenpack ist in unsere Stadt eingefallen (...) Lasst uns ihre Synagogen ausräuchern, die Wohnstätten Satans niederbrennen, lasst uns die Christusmörder aus der Stadt vertreiben. Heute Abend wird Alexandria judenfrei sein. Unter brausendem Beifall..." etc. Verwiesen wird unten auf Arnulf Zittelmann (richtig: Zitelmann), der 1996 ein Jugendbuch über Hypatia von Alexandria herausbrachte (natürlich "Lesetipp"). Im Kasten wird überflüssigerweise erklärt, was Fundamentalismus ist (übrigens nur hier, bei anderen Religionen entfällt das Problem.)
Auf der nächsten Seite werden das Diakonische Werk, Misereor und andere vorgestellt, mit Sozialstation, Fahrradwerkstatt und Seniorenclub. O wie so schön ausgewogen ist doch so ein Ethik-Lehrbuch, es sagt ja nicht nur Böses über das Christentum.
Der eigentliche Skandal besteht darin, dass ein solches Lehrbuch für den Unterricht freigegeben wird. Auf Anfrage der Rezensentin hieß es, Lehrbücher dieser Art würden vom Dresdner Comenius-Institut gegengelesen. Dann leider endgültig: Abschied vom Niveau, ehemaliges Reformationsland Sachsen!
P. Klaus Mertes SJ