Der untenstehende Brief wurde am Ende der Mahnwache vom 6.11.2008 vor der russischen Botschaft
verlesen und dann dort abgegeben.
P. Klaus Mertes SJ
6.11.2008
P. Klaus Mertes SJ
Canisius-Kolleg
Tiergartenstr. 30/31
10785 Berlin
S.E. Herrn Vladimir V. Kotenev Unter den Linden 63-65 10117 Berlin
Sehr geehrter Botschafter Kotenev,
in der vergangenen Woche wurden die beiden Jesuiten Victor Betancour und Otto Messmer in Moskau ermordet. Wie wir der Presse entnommen haben, hat Patriarch Alexei II von Moskau sein tiefempfundenes Mitgefühl für die grausamen Morden an den beiden Jesuiten zum Ausdruck gebracht; auch wird berichtet, dass sich die Administration von Präsident Medwedjew in den Fall eingeschaltet hat.
Gerade wegen dieses dankenswerten Engagements ist es uns vollkommen unverständlich, wie das Zusammenspiel einiger Informanten aus den Ermittlungsbehörden und der Presse in Russland dazu geführt hat, dass die ermordeten Jesuiten in Russland auf üble Weise und widerspruchslos in der Presse verleumdet werden. Deswegen richten wir die Bitte an Sie, Ihrer Regierung mitzuteilen, dass wir diese Morde nicht vergessen werden. Wir hoffen, dass sich die russische Regierung für eine lückenlose Aufklärung der Morde einsetzt und einschreitet, wenn die Ermittlungsbehörden durch ihr Verhalten verleumdende Berichterstattung begünstigen oder gar fördern. Insbesondere wünschen wir uns ein klares Zeichen der Regierung für die Akzeptanz auch von katholischen Christen in Russland.
Moskau ist die Stadt, in welcher der katholische Christ Friedrich Josef Haas bis heute als der „Heilige Doktor von Moskau“ von der russischen Bevölkerung verehrt wird. Es darf nicht sein, das heute in derselben Stadt katholische Christen und andere wegen ihres Bekenntnisses berechtigte und ernsthafte Sorge um ihr Leben haben müssen.
Für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der heutigen Mahnwache vor Ihrer Botschaft Mit freundlichen Grüßen
P. Klaus Mertes SJ